Man hätte ja vermuten können, je länger wir laufen würden, desto müder wären die Beine und desto geringer die Lust noch weiter zu wandern, aber Pustekuchen. Das Gegenteil war der Fall. Wir spürten deutlich den Trainingseffekt und unsere Beine fühlten sich eigentlich immer besser an. Aber das Wetter machte uns beinahe einen Strich durch die Rechnung. Bereits vor Beginn des Annapurna Circuits hatten wir darüber nachgedacht an den etwa zweiwöchigen Rundweg noch eine weitere Woche Wandern zum Annapurna Basecamp dranzuhängen, weil alles, was wir darüber gehört hatten, so klang, als wäre diese Route noch einmal besonders schön. Als wir nun aber in Ghorepani ankamen, hatte es bereits einen ganzen Tag geregnet, und zwar anders als zuvor auch am Morgen und nicht erst nachmittags. Den morgendlichen Ausflug zum Poon Hill, der bei gutem Wetter eine großartige Aussicht über das gesamte Annapurna Massiv versprach, strichen wir wegen Dauerregens ganz. Dennoch setzten wir unseren Weg zunächst bis Tadapani fort. Es regnete erneut den ganzen Tag. Der Schnee, der in der Nacht gefallen war und den bereits in voller Blüte stehenden Rhododendronbäumen ein magisches Aussehen verlieh, schmolz unter dem Regen und der Weg verwandelte sich in schlammigen Morast.

unter Rhododendronbäumen

unter Rhododendronbäumen

Rhododendronbäume in voller Blüte vom Schnee überrascht

Rhododendronbäume in voller Blüte vom Schnee überrascht

Es war eine ziemliche Ruschpartie, Stürze waren nicht vollends zu vermeiden und trugen nicht unbedingt dazu bei, die Laune zu heben. Besudelt wie ein Wildschwein nach einem Schlammbad lacht es sich nicht mehr so leicht. Während des ganzen Weges, der ziemlich viel auf und ab beinhaltete, stellten wir uns vor, wie unfassbar schön es wohl gewesen wäre bei Sonnenlicht durch diesen Märchenwald aus alten knorrigen Rhododendronbäumen zu laufen. Nach etwa fünf Stunden erreichten wir schließlich Tadapani auf etwa 2600 Metern gelegen. In der Lodge setzten wir uns an den Ofen und begannen unsere zum einen von außen durch den Regen und zum anderen von innen durch den Schweiß völlig durchnässten Sachen zu trocknen. Wir beschlossen, dem Wetter noch eine Nacht zu geben. Sollte es am nächsten Tag noch weiter regnen, wollten wir die Wanderung abbrechen und nach Pokkhara zurückkehren. Wir hatten nicht vor eine reine Quälerei aus diesem Trek zu machen.

Als es am nächsten Tag weiterregnete, war die Entscheidung damit eigentlich gefallen. Da hätte man allerdings die Überzeugungskraft von Greg und Steve unterschätzt, zweier etwa fünfzigjähriger Amerikaner, die sich ihre Nepalreise zum fünfzigsten Geburtstag geschenkt hatten. Greg überzeugte uns, dem Wetter noch einen weiteren Tag zu geben. Von unserem nächsten Etappenziel aus könnten wir immer noch in einem Tag nach Pokhara zurückkehren. Er habe diesen Trek vor zwanzig Jahren schon einmal gemacht und sich anschließend gedacht, er komme sicher im nächsten oder übernächsten Jahr wieder und dann habe es zwanzig Jahre bis zu seiner Rückkehr gedauert. Wir ließen uns überzeugen und gaben dem Wetter noch eine letzte Chance.
Der Regen hielt sich an diesem Tag in Grenzen und wir liefen erneut durch Rhododendronwälder, vorbei an kleinen Dörfer und umliegenden Terrassenfeldern. Immer wieder kreisten Geier dicht über unsere Köpfe hinweg, was uns ein wenig Sorgen machte. Waren wir dem Zustand von Aas schon so nahegekommen? Rochen unsere nassen Sachen etwa so?

die Geier warten schon auf uns

die Geier warten schon auf uns

Es gab aber auch Momente des Glücks. Zum Beispiel als wir zum ersten Mal auf dem gesamten Trek einem Yak-Kälbchen begegneten. Dieses Frühjahr hatte bereits eine ganze Reihe von Tierbabys für uns bereit gehalten. Bisher hatte es sich dabei allerdings nur um Zicklein, Fohlen und gewöhnliche Kuh-Kälber gehandelt. Schließlich lief uns nun aber doch eines dieser wundervollen zotteligen Wesen über den Weg.

Konrad mit Yakkälbchen

Konrad mit Yakkälbchen

Nach einigen Stunden erreichten wir das Dorf Chomrong auf etwa 2100 Metern. Von dort bogen wir auf den eigentlichen Annapurna Basecamp Trail ein, der das Flusstal des Modi Khola hinaufging. Wir wanderten noch etwa drei Stunden und erreichten nach einigem auf und ab, darunter einer nicht unerheblichen Anzahl von Stufen, die kleine Lodgesiedlung Bamboo auf 2300 Metern. Hier gönnten wir uns eine große Portion Dal Bhat, wobei Konrad es fertigbrachte sich zweimal Nachschlag geben zu lassen (sprich insgesamst drei Portionen zu essen. Wir hatten unterwegs jedoch einen Kalifornier getroffen, der den uneinholbaren Rekord von insgesamt vier Portionen Dal Bhat hielt). Unsere Mägen hatten sich im Laufe der Wanderung mehr und mehr zu unermesslichen Löchern entwickelt und schienen unfüllbar zu sein.

Und was sich schon während des Tages und noch viel mehr am Abend anhand einiger erst heller und später sogar blauer Flecken am Himmel angedeutet hatte, wurde tatsächlich war. Wir erwachten am nächsten Morgen bei strahlendem Sonnenschein und makellos blauem Himmel. Wir bedankten uns bei Greg und machten uns an den langen Aufstieg.

das Tal des Modi Khola hinauf

das Tal des Modi Khola hinauf

Über viele Stufen, Wurzeln und Steine ging es immer weiter das Tal hinauf. Unterwegs erhaschten wir erste tolle Blicke auf den Machhapuchhre (6993m), den auch als Fishtail bezeichneten heimlichen Star der Region.

der Macchapuchhre (Fishtail) im Morgenlicht

der Macchapuchhre (Fishtail) im Morgenlicht

Der Weg ging stetig bergauf. Von einigen kürzeren steilen Passagen abgesehen, war es jedoch mehr ein gradueller Aufstieg. Dennoch waren wir ziemlich erschöpft, als wir schließlich am frühen Nachmittag am Basecamp des Machhapuchhre auf 3700 Metern ankamen. Wir hatten insgesamt schließlich nicht unerhebliche 1400 Höhenmeter erklommen. Im Laufe des Tages waren wieder mehr Wolken aufgezogen und die umliegenden Berge waren durch einen dichten Schleier verhüllt. Nur ab und zu lichtete sich dieser. Das waren die kurzen Momente, in denen alles aus den Zimmern rannte und mit leuchtenden Augen die Berge anschaute.

im Machhapuchhre Bascecamp angekommen

im Machhapuchhre Bascecamp angekommen

der Mond über dem Machhapuchhre

der Mond über dem Machhapuchhre

Am nächsten Morgen brachen wir kurz vor Sonnenaufgang zum letzten, nur noch kurzen Teilstück auf, hinauf zum Annapurna Basecamp. Bereits auf dem Weg genossen wir das erste Mal ungetrübte Blicke auf den über achttausend Meter hohen Annapurna I. Wie wir bereits von Fotos wussten, gehörte dieser nicht unbedingt zu den spektakulärsten Bergen und wirkte gar nicht so hoch. Er machte vielmehr einen etwas klobigen Eindruck. Aber wir hatten schon die Erfahrung gemacht, dass im Himalaya vieles gar nicht so weit und gar nicht so groß und gar nicht so hoch aussah wie es am Ende bei genauerer Betrachtung dann tatsächlich war. Nach etwa eineinhalb Stunden erreichten wir die kleine Ansammlung von Lodges am Annapurna Basecamp.

am Annapurna Basecamp angekommen

am Annapurna Basecamp angekommen

Anne vor der Südwand des Annapurna I

Anne vor der Südwand des Annapurna I

Wir frühstückten auf der Terrasse in der Morgensonne und genossen die Aussicht auf Machhapuchhre, Annapurna III und Gangapurna. Einige Berge kannten wir bereits. Wir hatten sie in der ersten Woche von Manang aus gesehen. Es war faszinierend, so lange um das ganze Massiv gelaufen zu sein, um jetzt die Rückseite der gleichen Berge betrachten zu können. Anschließend liefen wir noch ein wenig umher, genossen den Blick in alle Richtungen und machten viele Fotos.

Sonnenaufgang über Gangapurna, Machhapuchhre und Co

Sonnenaufgang über Gangapurna, Machhapuchhre und Co

Blick zurück zum MBC

Blick zurück zum MBC

Gangapurna, Annapurna III und Machhapuchhre

Gangapurna, Annapurna III und Machhapuchhre

Gegen neun Uhr begannen wir mit dem Rückweg. Die folgenden zwei Tage widmeten wir fast uneingeschränkt dem Abstieg, der am Ende doch mehr auf und ab bedeutete als wir gedacht hatten. Die schier endlose Zahl an Stufen hinauf nach Chomrong werden wir nicht vergessen. Und das nur um anschließend in einer kniebrechenden Art und Weise eine noch viel größere Zahl von Stufen wieder hinabzulaufen. Auf dem Weg machten wir Bekanntschaft mit einigen Languren, die etwas oberhalb vom Weg durch den Wald tollten.

beim Abstieg aus dem Modi Khola Tal

beim Abstieg aus dem Modi Khola Tal

Languren

Languren am Wegesrand

Gegen 16 Uhr des zweiten Tages erreichten wir schließlich das Dorf Nayapool, das an der Haupstraße gelegen war. Nach kurzer Wartezeit bestiegen wir (und besteigen ist hier wörtlich zu verstehen, denn wir stiegen aufs Dach) schließlich den Bus nach Pokhara. Nach etwa eineinhalbstündiger Fahrt, die wir größtenteils auf dem Dach des Buses zurücklegten, erreichten wir schließlich die Trekkinghauptstadt Nepals.

Rückfahrt auf dem Bus

Rückfahrt auf dem Bus

Wir fanden ein günstiges Hotel. Und nach etwa drei Wochen fast ausschließlich vegetarischer Ernährung und alkoholfreiem Lebensstil war uns ganz stark nach einem Steak und einem Bier zumute. Wir suchten also das Everest Steak House auf, das mutmaßlich beste Steak-Restaurant der Stadt. Und ganz offenbar waren wir nicht die einzigen die diesen Gedanken hatten, denn hier trafen wir unsere zuletzt verlorenen amerikanischen Trekkerfreunde wieder.

Gruppenbild mit unseren amerikanischen Trekkerfreunden

Gruppenbild mit unseren amerikanischen Trekkerfreunden

Lange währten wir jedoch nicht an diesem Abend und lagen bald erschöpft im Bett und schliefen den Schlaf der Gerechten.

Muktinath bedeutete für uns nur der erste größere Ort nach Thorong La, für viele der Mittrekker war es aber bereits das Ende des gesamten Treks. In den letzten fünf Jahren hatte es sich die nepalesische Regierung zur Aufgabe gemacht, jede Provinzhauptstadt des Landes mit einer Straße zu versorgen. Dieses erst einmal nicht so revolutionär klingende Projekt hatte aber zur Folge, dass große Teile des ursprünglich nur zu Fuß zu bewältigenden Annapurna Circuits nun auch per Bus und Jeep erreichbar waren. So war es möglich mit Jeep und Bus oder mit Jeep und Flugzeug bereits von Muktinath den Rückweg nach Pokhara anzutreten.

Blick vom Tempel auf das Dhaulagiri Massiv

Blick vom Tempel auf das Dhaulagiri Massiv

Wir wollten aber noch ein wenig zu Fuß weitergehen. Nachdem wir uns das Tempelareal von Muktinath angesehen hatte, das sowohl Hindus als auch Buddhisten heilig ist, wo sich also Gompa und Shiva-Tempel treffen und dicke Inder in heiligem Wasser baden, ging es über Chongur und Jhong, zwei kleine tibetische Dörfer, nach Kagbeni.

traditionelle Hausbemalung in Chongur

traditionelle Hausbemalung in Chongur

das Dorf Jhong mit dem Kloster auf dem Hügel

das Dorf Jhong mit dem Kloster auf dem Hügel

In Jhong besuchten wir ein kleines, etwa fünfhundert Jahre altes tibetisches Kloster. Wir waren beeindruckt, wie farbenfroh und düster es zugleich war.
Weiter ging es über staubige Straßen hinab, immer den Blick auf das vor uns liegende Dhaulagiri-Massiv mit dem mit 8167 Metern siebthöchsten Berg der Erde gerichtet. Wandten wir unseren Blick, so fiel er zurück auf den Thorong-La, über den wir gekommen waren.

Blick zurück auf den Thorong La

Blick zurück auf den Thorong La

Insgesamt stiegen wir an diesem Tage weitere eintausend Höhenmeter ab.

Von Kagbeni ging es am nächsten Tag zunächst nach Jomsom, wo sich der einzige Flugplatz der Region befindet und todesmutige Trekker in kleine zweimotorige Maschinen steigen, um schneller nach Hause zu kommen. Von dort wanderten wir weiter nach Marpha und Tukuche. Diese beiden Orte bilden sozusagen das Apfelzentrum Nepals. Hier sahen wir mehr Apfelgärten als in Brandenburg und der überall angebotene Apple-Pie schmeckte uns vorzüglich.

Blick über die Apfelhauptstadt Marpha

Blick über die Apfelhauptstadt Marpha

ein Apfelgarten

ein Apfelgarten

Snickers-Pause

Snickers-Pause im Wald

Weiter ging es das Tal des Kali Gandaki hinab. Von manchen Geographen wird dieses Flusstal als die tiefste Schlucht der Welt bezeichnet, weil es von zwei über achttausend Meter hohen Bergmassiven eingerahmt wird, dem Dhaulagiri und dem Annapurna I.

Hängebrücke über den Kali Gandaki mit den typischen Gebetsfahnen

Hängebrücke über den Kali Gandaki mit den typischen Gebetsfahnen

Bei unserem weiteren Abstieg boten sich uns zum Teil großartige Blicke auf den Dhaulagiri (8167m) auf der einen und hin und wieder auch auf den Nilgiri (7061m) auf der anderen Seite.

ein erster Blick auf den Dhaulagiri (8167m)

ein erster Blick auf den Dhaulagiri (8167m)

der Dhaulagiri

der Dhaulagiri

Der Annapurna I hielt sich jedoch weiterhin bedeckt. Hinzu kam, dass das Wetter sich verändert hatte. Nun zogen zumeist bereits ab neun oder zehn Uhr morgens mehr und mehr Wolken auf und am frühen Nachmittag begann es immer öfter zu regnen.

In einem regelrechten Gewaltmarsch legten wir die noch verbliebene Strecke nach Tatopani zurück. Dabei erhaschten wir noch einmal tolle Blicke auf den Nilgiri.

das Tal hinauf mit Nilgiri im Hintergrund

von Tatopani das Tal hinauf mit dem Nilgiri im Hintergrund

Wir waren nun bis auf 1200m abgestiegen und der Weg spaltete sich erneut auf. Zum einen ging es weiter den Fluss hinab Richtung Hauptstraße und Zivilisation oder aber über ein paar hochgelegene Dörfer den Berg hinauf nach Ghorepani. Da wir noch ein paar Tage Zeit hatten und uns außer Laufen nichts anderes einfiel, was wir mit unserem Leben hätten anstellen sollten, beschlossen wir nach dem Annapurna Circuit noch zum Annapurna Basecamp also über Ghorepani zu laufen. Da würden wir dann auch endlich mal Annapurna I zu Gesicht bekommen.
Es ging also mal wieder bergauf. Die 1800 Höhenmeter nach Ghorepani (2900m) können theoretisch an einem langen Tag erklommen werden, wir verteilten sie jedoch auf zwei Portionen.

Blick über Shikha

Blick über Shikha

So gelang es uns auch dem nun immer regelmäßiger ab dem Mittag einsetzenden Regen weitestgehend zu entfliehen. Vorerst. Als wir schließlich Ghorepani erreichten, hatte sich das Wetter jedoch so verschlechtert, dass es den ganzen Tag und auch die ganze Nacht regnete und schneite. So blieb uns die wohl theoretisch sehr schöne Aussicht verwehrt.

Nach dem überaus erholsamen Ruhetag ging es nun also ans Eingemachte (als wenn vorher alles Spaziergang gewesen wäre). Von Manang (3500m) stiegen wir am ersten Tag nach Thorung Pedi auf etwa 4500 Meter auf. Der Aufstieg, der von manchen Trekkern auch auf zwei Tage gesplittet wird, fiel uns trotz dem erneut schlechten Wetter, das uns mal wieder mit Schnee bedachte, erstaunlich leicht. Die Akklimatisierungsabstecher zuvor hatten sich doch bezahlt gemacht. So erreichten wir bereits am späten Mittag unser Ziel. Auf der Suche nach einem Bett in einer der beiden Lodges mussten wir jedoch feststellen, dass alles extrem überfüllt war. Dem Schneetreiben geschuldet hatten viele Trekker die Passüberquerung an diesem Tag verschoben und sorgten so für einen Stau in der Lodge. Wir ergatterten gerade noch zwei Betten im wahrscheinlich armseligsten Zimmer des gesamten bisherigen Treks, das mehr aus Löchern als aus Wänden zu bestehen schien. Dass es auf 4500 Metern recht kalt ist, brauchen wir wohl nicht zu erwähnen. Die Nacht schickte sich also an frostig zu werden.
Gemeinsam mit den übrigen Trekkern verbrachten wir dann den Rest des Tages im Speisezelt, das eigentliche Esszimmer war gnadenlos überfüllt. Dank einiger Heizstrahler war es dort aber ganz gut auszuhalten und wir hielten uns mit Tee trinken, Karten spielen und Gesprächen mit den anderen Trekkern bei Laune. Je weiter der Tag fortschritt, desto nervöser wurde die Stimmung, eine Art Gipfelfieber schien bereits um sich gegriffen zu haben. Alle überboten sich damit, wie früh am Morgen sie aufbrechen würden. Wir versuchten uns nicht davon anstecken zu lassen, auch wenn unsere geplante Aufbruchszeit von fünf Uhr bereits zwei Stunden nach der Zeit lag, die die eifrigsten sich für ihren Aufbruch vorgenommen hatten.
Die Nacht war schließlich wie erwartet frostig, aber unter einem gemeinsamen Berg Decken schliefen wir schließlich besser als erwartet.

Als wir am nächsten Morgen gegen fünf aufbrachen, hatte sich die Lodge schon deutlich geleert. Den Pfad zum High Camp (4900m) hinauf zog sich eine Kette aus Lichtern wie Glühwürmchen auf eine Schnur gefädelt. Es waren all die Trekker vor uns mit ihren Stirnlampen. Auf dem Weg zum High Camp, das wir uns als Ort für unser Frühstück auserkoren hatten und nach knapp einer Stunde erreichten, passierten wir bereits einen Großteil von ihnen.

kurz nach Sonnenaufgang am High Camp

kurz nach Sonnenaufgang am High Camp

Nach einer kurzen Stärkung machten wir uns wieder auf den Weg. Das nun folgende Wegstück war weniger steil, aber durch den gefallenen Neuschnee dennoch sehr beschwerlich. Und auch die Höhe machte sich mehr und mehr bemerkbar. Die Schritte wurden erst kürzer, dann langsamer. Und auch der Abstand zwischen den Pausen, die wir zum Luftholen einlegen mussten, verkürzte sich mehr und mehr.

Verschnaufpause im Stehen

Verschnaufpause im Stehen

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Dennoch passierten wir bereits in der ersten Stunde fast die gesamten übrigen Trekker und setzten uns an die Spitze der Kolonne, die zum Pass hinauf strebte.

Blick zurück (Ameisenstraße den Berg hinauf)

Blick zurück (Ameisenstraße den Berg hinauf)

Wir erklommen unzählige Kämme, die von unten bereits wie der Pass aussahen, um oben angekommen stets feststellen zu müssen, dass der Pass sich wohl erst auf dem nächsten Kamm befinden könne.

voll vermummt gegen die Kälte

voll vermummt gegen die Kälte

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gleich ist es geschafft (und wir sind geschafft)

gleich ist es geschafft (und wir sind geschafft)

Schließlich erreichten wir nach schweißtreibenden drei Stunden Marsch doch endlich den Thorong La. Die Snickers, die wir uns zur Feier des Tages mit hochgenommen hatten und die wie das Wasser in unseren Trinkflaschen etwas gefroren war, schmeckten uns besser als je ein Schokoriegel zuvor. Wir genossen den Ausblick, machten ein paar unsinnige Fotos, für die anders als damals in Peru tatsächlich noch Energie da war und genossen die Morgensonne.

Freudentanz auf dem Pass

Freudentanz auf dem Pass

die typischen Gebetsfahnen auf dem Pass

die typischen Gebetsfahnen auf dem Pass

am Thorong La auf 5416m

am Thorong La auf 5416m

immer diese bescheuerten Sprungfotos (dafür war offenbar noch Energie übrig)

immer diese bescheuerten Sprungfotos (dafür war offenbar noch Energie da)

Bald begann der Wind jedoch merklich aufzufrischen und wir machten uns an den Abstieg. Ein wahres Kniemassaker lag vor uns: 1600 Höhenmeter in vier Stunden. Die Sonne hatte bereits angefangen den Schnee zu schmelzen und so legten wir Teile des Abstiegs auf dem Hosenboden zurück, nicht ohne Vergnügen wie man dazusagen muss.

und der lange Abstieg wartet ...

und der lange Abstieg wartet …

Als wir schließlich Muktinath auf der anderen Seite des Passes auf nun nur noch 3800 Metern erreichten, waren wir sehr erschöpft und unsere Beine brannten. Wir belohnten uns mit dem ersten Bier seit Beginn des Treks und gönnten uns eine heiße Dusche. Am Abends setzten wir das Verwöhnprogramm dann mit Yak-Burger und Yak-Burrito fort. Dass wir wie ein Stein schliefen, muss wohl nicht extra erwähnt werden.

Unsere Akklimatisierungsabstecher zum Ice-Lake und Tilicho waren nicht gerade Badeausflüge. Vom 3500 Meter hoch gelegenen Braga ging es als Tagesausflug zunächst gen Ice-Lake. Die Wasser dieses auf 4600m gelegenen Sees gelten den Einheimischen als heilig. Zumeist finden sich bis weit in den Sommer hinein Eisschollen auf der Wasseroberfläche, was dem See seinen Namen verleiht. Viel aufregender als der Anblick des Sees waren aber zwei andere Dinge. Zum einen die Ausblicke auf das Annapurna-Massiv. Nicht nur Annapurna II, sondern auch die mit rund 7500 Metern etwas niedrigeren Annapurna III und IV zeigten sich in ihrer ganzen Pracht und Wucht.

Blick über Annapurna III und IV

Blick über Annapurna III und IV

Yaks mit Annapurna II

Yaks mit Annapurna II im Hintergrund

Je höher wir stiegen, desto näher schienen wir diesen Giganten zu kommen. Der zweite interessante Aspekt war aber auch der Fitnesstest, den dieser Aufstieg auch im Hinblick auf den bevorstehenden 5400 Meter hohen Pass bedeutete. Hier zeigte sich erneut, wie schon in Peru, dass Anne viel schneller in der Lage war, sich an die Höhe zu gewöhhnen. Während in Konrad wieder ungute Erinnerungen an den Misti geweckt wurden und er sich erneut wie ein herzkranker alter Mann fühlte, immer häufiger Pausen einlegen musste und sich in Kaffeebohnenschritten nach oben kämpfte, stieg Anne vergleichsweise leichtfüßig den Berg hinauf.

da war Konrad noch zu Scherzen aufgeleggt

da war Konrad noch zu Scherzen aufgelegt

Aber schließlich und endlich erreichten wir beide den See, wo wir eine niegelnagelneue Stupa fanden. Nach etwas Verschnaufpause kamen wir nicht umhin uns zu fragen, welche Irren wohl das Baumaterial dafür hier hochgeschleppt hatten.

endlich am Ice Lake angekommen

endlich am Ice Lake angekommen

die Stupa am Ice-Lake

die Stupa am Ice-Lake

Anne und Konrad vor der Kulisse des Annapurna III und IV

Anne und Konrad vor der Kulisse des Annapurna III und IV

Der Abstieg war nicht eben Knie schonend, aber dafür schnell. Als wir am frühen Nachmittag wieder zurück in unserer Lodge waren und uns einen Apfelkuchen gönnten, waren wir erschöpft, aber glücklich.

Wir wollten es aber nicht bei diesem einen Abstecher belassen und machten uns daher am folgenden Tag auf den ungleich längeren Weg zum noch ein Stück höher gelegenen Tilicho-See. Er gilt als einer der höchstgelegenen Seen der Welt.
Leider war das Wetter zum ersten Mal seit wir losgewandert waren nicht auf unserer Seite und so nieselte und schneite es immer wieder. Die Nachwirkungen des gestrigen Aufstiegs noch deutlich in den Beinen spürend kämpften wir uns jedoch das Tal des Marsyangdi-Flusses hinauf bis ins Tilicho-Basecamp, das auf 4100 Metern gelegen war, unser bisher höchster Schlafplatz. Auf dem Weg mussten wir eine ziemlich lange Erdrutschzone passieren, wo in der Vergangenheit schon häufiger Trekker durch herunterfallende Steine verletzt worden waren. Mehr als ein mulmiges Gefühl trugen wir jedoch nicht davon und wir erreichten sicher das Basecamp.

rauf, rauf, rauf

Hinauf durch den Schneeregen Richtung Tilicho Basecamp

Nach einer kalten Nacht brachen wir am nächsten Morgen früh auf und machten uns an den Aufstieg. Da wir ohnehin wieder den gleichen Weg hinausnehmen mussten, den wir gekommen waren, konnten wir immerhin unser Gepäck in der Lodge lassen. Dennoch war der Aufstieg hinauf zum auf etwa 5000 Metern gelegenen Tilicho-See alles andere als ein Spaziergang. Glücklicherweise hatte sich das Wetter aber erneut zu unseren Gunsten gewandelt und so wurden wir für unsere Strapazen mit spektakülären Aussichten entlohnt. Da war zum einen der Blick zurück über das Marsyangdi-Tal gen Manang, von wo wir gekommen waren, zum anderen aber auch der Blick auf die als Grande Barriere bezeichnete unglaubliche Wand aus Fels und Eis, die dieses Tal vom Zugang zum Annapurna I abschnitt.

Blick zurück

Blick zurück über das Marsyangdi-Tal

so klein sind wir

so klein sind wir im Angesicht der Berge

Anne vor der Grande Barrriere

Anne vor der Grande Barrriere

Je höher wir kamen, desto mehr verwandelte sich alles in eine einzige Schneelandschaft und nun war es ein Segen, dass es am Vortag geschneit hatte, denn vor uns lag ein riesiges fast unberührtes Schneefeld. Einzig ein schmaler Pfad aus Fußspuren, den ein paar Trekker, die noch vor uns aufgebrochen waren, bereits in den Schnee gesetzt hatten, deutete auf menschliche Anwesenheit hin. Wir begegneten ihnen, die sich bereits auf dem Rückweg befanden, etwa fünfzehn Minuten vor Erreichen des Sees. Oben dagegen hatten wir alles nur für uns. Erst nach weiteren fünfzehn Minuten kamen die ersten Nachzügler.

die Grande Barriere

die Grande Barriere

durch den Schnee kurz vor Erreichen des Sees

durch den Schnee kurz vor Erreichen des Sees

der Tilicho-Lake zugefroren und überschneit

der Tilicho-Lake zugefroren und überschneit

Freude über das Erreichen des Sees

Freude über das Erreichen des Sees

Wir verweilten noch ein wenig in der Sonne und machten uns dann an den Abstieg. Die Sonne hatte große Teile des Schnees bereits soweit aufgeweicht, dass es eine ziemliche Rutschpartie wurde und große Vorsicht geboten war. Wir schafften es aber heil zurück ins Basecamp, schnappten uns unsere Rucksäcke und machten uns auf den Rückweg nach Manang, das wir nach einer Übernachtung auf etwa halber Strecke am folgenden Tag erreichte. Das Wetter zeigte sich weiter von der besten Seite und so konnten wir einige Bauern beim Pflügen und Sähen ihrer Felder beobachten.

den Acker auf die alte Art Pflügen

den Acker auf die alte Art Pflügen

In Manang legten wir nach nun insgesamt acht Lauftagen einen Pausentag ein, bevor wir uns an die Passüberquerung machten. Wir aßen viel, schliefen uns aus und gingen in die Projector-Hall, das Trekker-Kino, wo täglich Filme wie „Sieben Jahre in Tibet“, „Into the Wild“ und „Slumdog Millionaire“ gezeigt wurden.

Wenn man ganz ehrlich ist, waren wir eigentlich seit Ende Dezember nicht mehr gelaufen. Wenn man sich anschaut, wieviel wir in den ersten Monaten dieser Reise zu Fuß in den Bergen unterwegs waren, ist das geradezu ein ungeheuerlich langer Zeitraum.
Nun hatten wir jedoch das große chaotische und für uns eher mit unguten Erfahrungen verbundene Indien hinter uns gelassen und gegen das dagegen sehr beschauliche Nepal eingetauscht. Selbst Kathmandu empfanden wir nach Delhi als ein vergleichsweise ruhiges Fleckchen. Bereits beim Blick aus dem Flugzeug auf die ersten Schnee bedeckten Gipfel des Himalayas juckte es uns in den Füßen. Nach einigen Tagen der Organisation (Einholen von Genehmigungen, Planung der Route usw.) machten wir uns bald auf den Weg nach Besi Sahar und von dort dann weiter nach Bhulbhule, dem Startpunkt des Annapurna Circuits. Noch nie waren wir so lange am Stück gewandert, wie wir es jetzt vorhatten. 21 Tage hatten wir eingeplant. Bei dem Annapurna Circuit handelt es sich dabei um einen sogenannten Teahouse Trek. Diesen Namen verdankt er dem Umstand, dass früher Reisende oftmals abends auf dem Boden der Teehäuser übernachten durften. Heute ist der ganze Trek mit Hütten oder kleinen Hotels gepflastert. Die Campingausrüstung konnten wir uns also sparen.

Die Busfahrt war ein ziemliches Erlebnis, nepalesische Straßen sprengen so ziemlich jede Vorstellungskraft. Eine Durschnittsgeschwindigkeit von 30 km/h kann hier als Raserei gelten. So brauchten wir ca. 8h für die 180 Kilometer. Das letzte Stück zwischen Besi Sahar und Bhulbhule legten wir sogar auf dem Dach des Busses zurück. Aber trotz allem klappte alles irgendwie ziemlich gut.

Der Weg begann auf einer Höhe von 840m und ging von dort aus jeden Tag stetig höher. Das erste große Teilstück bis in das größere Dorf Manang, das bereits auf etwa 3500m lag, legten wir in vier Tagesetappen zurück.
Die Landschaft wechselte dabei stetig. Am ersten Tag wanderten wir noch durch üppige Vegetation von eher tropischem Charakter, vorbei an vielen Reis- und Getreidefeldern, die oftmals in sehr hübschen Terrassen angelegt waren.

üppige Vegetation und terrassierte Felder

üppige Vegetation und terrassierte Felder

beim Tee am Abend in der Hütte

beim Tee am Abend in der Hütte

Bald ging es jedoch immer höher hinauf und die Vegetation lichtete sich. Laubbäume machten Nadelbäumen Platz, bis auch diese immer seltener wurden und die immmer kargere Landschaft meist nicht mehr als ein paar Büsche und Sträucher aufwies.
Je höher wir gelangten, desto buddhistischer wurde das Land und desto größer wurde der tibetische Einfluss. Überall wehten die typischen Gebetsfahnen. Die Tibeter lassen so den Wind ihre Gebete überall hintragen. Und an beinahe jedem Dorfeingang fanden sich zum Teil nicht enden wollende Mauern voller Gebetsräder.

Prayer wheels mit Bergkulisse

Prayer wheels mit Bergkulisse

Prayer wheels

Prayer wheels

Die ersten weißen Gipfel, die wir klein am Horizont sahen, sorgten noch für angestrengte Fotoversuche mit maximalem Zoom. Es dauerte jedoch nicht lange und wir waren mittendrin im Wahnsinn des Himalayas und zoomen war nicht mehr notwendig. Am dritten Wandertag offenbarte sich direkt vor uns Annapurna II mit seinen fast 8000m Höhe.

der erste Blick auf Annapurna II (7937m)

der erste Blick auf Annapurna II (7937m)

Der Hochweg, den wir an Tag vier dann bis kurz vor Manang wählten, ließ uns beinahe den gesamten Tag immer wieder unglaubliche Blicke auf diesen riesigen Koloss aus Fels, Eis und Schnee genießen. Es war der bis zu diesem Zeitpunkt schönste Tag des Treks und nicht nur das Bergpanorama, sondern auch die kleinen ursprünglichen Dörfer hatten es uns angetan. Hier betrieben ein paar Hartgesottene immer noch Landwirtschaft wie vor zweihundert Jahren – mit Yak und Pflug und ganz viel Knochenarbeit.

das kleine Dorf Ghyaru vor dem mächtigen Annapurna II

das kleine Dorf Ghyaru vor dem mächtigen Annapurna II

Blick über das Dorf Nawal

Blick über das Dorf Nawal

Anne auf dem Hochweg mit Annapurna II im Hintergrund

auf dem Hochweg mit Annapurna II im Hintergrund

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Viele der Dörfer, durch die wir wanderten, waren nur zu Fuß zu erreichen und so musste alles, was dort gebraucht wurde auch zu Fuß hergebracht werden. Wenn wir manchmal über das Gewicht unserer Rucksäcke jammerten, genügte ein Blick auf die armen nepalesischen Träger, um uns verstummen zu lassen. Mit Hilfe eines breiten Tragegurtes, den sie sich über die Stirn legten, schleppten sie alles aus dem Tal hinauf. Verpflegung, Baumaterial, Brennstoff, aber auch Kühlschränke, Waschmaschinen um uns Touristen zufriedenzustellen. Dennoch waren auch wir ziemlich erschöpft als wir am Abend Braga, ein kleines Dorf 15 Minuten vor Manang erreichten, von dem aus wir planten zwei Akklimatisierungsabstecher zu machen.

starke Nepalis tragen alles mit Hilfe eines Kopfbandes

starke Nepalis tragen alles mit Hilfe eines Kopfbandes

Jaipur, Jaisalmer, Jodhpur – das sind die Namen der drei vielleicht meistbesuchten Städte Rajasthans. Von Agra ging es zunächst mit dem Zug nach Jaipur. Diese Stadt bildet mit Delhi und Agra eine der Spitzen des sogenannten Goldenen Dreiecks, einer touristisch besonders relevanten Region. Hier besuchten wir mehrere der alten Paläste, darunter den Stadtpalast und den Palast der Winde, der auch das Wahrzeichen der Stadt ist sowie ein altes Observatorium, mit dessen Hilfe bis heute astronomische und astrologische Berechnungen durchgeführt werden können.

Blick über Jaipur vom Palast der Winde

Blick über Jaipur vom Palast der Winde

Anne und Desiree konnten der Versuchung nicht widerstehen, sich indisch einzukleiden und kauften sich Saris, mit denen sie Jaipur unsicher machten. Ein wenig bestand da wohl die Hoffnung, weniger aufzufallen oder mehr respektiert zu werden. Das hat wohl eher nicht so gut geklappt, auf jeden Fall nicht, was das Auffallen angeht. Das hatte als Nebeneffekt aber zur Folge, dass wir prompt auf eine indische Hochzeit eingeladen wurden. Dort nahmen wir am Essen teil und man behandelte uns fast ein bisschen wie Berühmtheiten. Anne und Desiree in ihren Saris waren beliebte Fotomotive der anderen Gäste und Anziehungspunkt der Kinder. Schließlich willigten sie sogar ein, sich die Hände mit Henna bemalen zu lassen. Die übereifrigen indischen Damen kamen außerdem mit knallbuntem Lippenstift daher – rot für Desiree, pink für Anne. Die Inderinnen fanden die beiden nach dem Schminken noch schöner – über Geschmack lässt sich ja streiten…

Desiree und Anne mit Henna und knalligem Lippenstift

Desiree und Anne mit Henna und knalligem Lippenstift

An dieser Stelle sollte noch erwähnt werden, dass dies keinesfalls eine Liebeshochzeit, sondern eine arrangierte Hochzeit war. Die Braut machte auf uns auch nicht den allerglücklichsten Eindruck. Die junge Frau unter der dicken Schicht Makeup und dem ganzen Schmuck wirkte ziemlich eingeschüchtert. Sie saß mit mehreren anderen Frauen in einem kleinen Raum und nahm dort Glückwünsche und Geschenke in Empfang, während der Ehemann draußen feierte.

Wir mit der Braut

Wir mit der Braut

Ziemlich geschafft fielen wir am späten Abend ins Bett unseres Hotels.
Leider ging es der Desiree am nächsten Tag nicht gut. Wir hatten das Hochzeitsessen im Verdacht. Es sollte leider nicht das letzte Mal auf unserer Indienreise sein, dass einer von uns krank wurde …

Von Jaipur aus ging es dann mit dem Nachtzug weiter nach Jaisalmer, unsere erste Nachtfahrt im 3. Klasse Sleeper. Desiree hatte sich zum Glück wieder ganz gut erholt. Die Fahrt war besser als erwartet und gar nicht so übermüdet wie befürchtet erreichten wir am Mittag Jaisalmer. Wir schrieben den 27.03. und es war der Tag des Holi-Festes. Bereits am Tag zuvor hatten wir in Jaipur einen kleinen farbigen Vorgeschmack darauf erhalten können, aber das hatte sich noch im sehr kleinen Kreis abgespielt. Als wir nun in Jaisalmer versuchten vom Bahnhof aus unser Hotel zu erreichen, sahen wir uns der Unmöglichkeit ausgesetzt dies ungefärbt zu tun. Unser Hotel lag inmitten des Altstadtforts und war auf den letzten wenigen hundert Metern nur zu Fuß zu erreichen. Und hier standen die Holi-Wütigen Spalier, tütenweise mit buntem Farbpulver bewaffnet. Das dritte „Nein, keine Farbe!“ wurde dann nicht mehr zu Kenntnis genommen und Wolken aus Pink, Rot, Blau, Gelb und Grün ergossen sich über unsere Köpfe, Schultern und Sachen. Leider lief dabei nicht alles friedlich ab. Auch nutzen viele indische Männer diese Gelegenheit zu einer ausgedehnten „Tatschtour“ bei ausländischen Touristinnen. Konrad kam im Vergleich am Ende beinahe schwarz/weiß davon. Dennoch bot Holi mit seiner unersättlichen Farbigkeit genau das exotische Bild, das man mit Indien gerne verbindet.

Holi....

Holi….

Holi...

Holi…

In Farbe getaucht

In Farbe getaucht

Normalität am Tag nach Holi

Normalität am Tag nach Holi

Die Stadt Jaisalmer ist am Rande der Thar-Wüste gelegen, die sich bis nach Pakistan hinein erstreckt. Es bietet sich daher an, Erkundungen in die Wüste zu unternehmen und das am besten hoch zu Kamel. Auf dem Rücken von Mr. Magu und Co trabten wir also ein wenig durch die Wüste. Wir besuchten zwei kleine Dörfer, rasteten bei Linsen und Chapati im Schatten eines der wenigen Bäume und erklommen gegen Abend eine der der wenigen großen Sanddünen, die dieser ansonsten eher stepppenartigen Wüste doch noch ein besser zu unseren Wüstenvorstellungen passendes Gesicht verliehen. Leider fühlte sich Anne im Laufe des Tages im schlechter und gegen Abend hatte sie dann auch Fieber. Dennoch wollte sie, dass wir alle am Reiseplan festhalten. Und so nahmen wir also den nächsten Nachtzug von Jaisalmer nach Jodhpur.

Desiree und Anne hoch zu Kamel

Desiree und Anne hoch zu Kamel

Wüstendorf

Wüstendorf

Konrad im Kamelsgalopp

Konrad im Kamelsgalopp

Den ersten Tag in Jodhpur verbrachte Anne im Bett, während Desiree und Konrad vorwiegend organisatorisches erledigten. Dank einer kräftigen Antibiotikakeule ging es Anne am zweiten Tag jedoch bereits bedeutend besser, so dass wir alle gemeinsam das Jodhpur Fort angucken konnten, das von allen Bauwerken zusammen mit dem Taj das wohl beeindruckendste war. Hier gab es reich verzierte Fassaden, großartige orientalische Zimmer und Sammlungen von Dolchen und Gewändern. Zudem hatte man einen fantastischen Blick über die Blaue Stadt, die ursprüngliche Altstadt, in der die Kaste der Brahmanen lebte.

Das Jodhpur Fort

Das Jodhpur Fort

Einer der Innenhöfe

Einer der Innenhöfe

Blick über die blaue Stadt

Blick über die blaue Stadt

Erneut war es schließlich ein Nachtzug, der uns zurück nach Delhi brachte, wo wir Desiree nach Hause verabschiedeten. Für uns hieß es eine weitere Nacht im Trubel der Hauptstadt zu verbringen, bevor am nächsten Tag unser Flug nach Kathmandu ging.

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In Agra hatten wir nur anderthalb Tage Zeit. Daher beschränkten wir uns fast ausschließlich auf die Attraktion der Attraktionen: das Taj Mahal, welches wir liebevoll immer nur „das Teil“ nannten.
Von der Dachterrasse unseres Hotels konnten wir einen guten ersten Eindruck vom Teil bekommen.

Blick von unserer Dachterrasse

Blick von unserer Dachterrasse

Am Abend fuhren wir zu einem Aussichtspunkt, von dem man den Sonnenuntergang über dem Teil besonders gut sehen kann. Leider waren wir etwas zu spät dran und der Sonnenuntergang war schon vorbei als wir ankamen.
Dafür standen wir am nächsten Morgen um halb sechs in der Touristenschlange für Eintrittskarten an, um uns einen Platz unter den ersten Besuchern zu ergattern. Wir müssen wohl nicht erwähnen, dass das nur so mittelgut geklappt hat. Es war nämlich auch schon zu früher Stunde recht viel los.
Da das Gelände aber so groß ist, dass sich die vielen Besucher gut verteilen, war es gar nicht so schlimm.

Taj Mahal am Morgen

Taj Mahal am Morgen

Der Anblick war so überwältigend, dass Desiree und Konrad quasi dauerhaft hinter ihren Kameras verschwanden. So entstanden an diesem Morgen etwa 500 Fotos, von denen hier nur eine kleine Auswahl gezeigt wird.

Taj Mahal aus der Nähe

Taj Mahal aus der Nähe

Konrad und Anne

Konrad und Anne

Unsere kleine Reisegruppe

Unsere kleine Reisegruppe

Von Innen fanden wir das Taj übrigens alle drei nicht besonders beeindruckend.
Da wir am Nachmittag doch noch etwas Zeit hatten, schafften wir es noch, auch das Rote Fort von Agra aus dem 16 Jhd. zu besichtigen.

Rotes Fort von Agra

Festungsmauern des Roten Fort von Agra

Rotes Fort von Innen

Rotes Fort von Innen

Nach dem Besuch der ehemaligen Residenz der Mogulkaiser ging es auch schon wieder weiter im Programm. Die erste Nachtfahrt im Zug (3. Klasse Schlafwagen, Konfortlevel = mäßig) nach Jaipur stand an.